Ehrenamt ist ein Begriff, den viele vor allem mit Vereinen, Nachbarschaftshilfe oder Sport verbinden. Dass es auch in der Musikwelt Menschen gibt, die ohne Bezahlung einen riesigen Beitrag leisten, ist weniger bekannt. Tanja Fruggel ist so eine Person. Seit vielen Jahren engagiert sie sich als ehrenamtliche Radiopromoterin – und bringt damit die Musik vieler Künstlerinnen und Künstler ins Radio und zu neuen Hörer*innen.
Ihre Geschichte zeigt eindrücklich, wie wichtig Radiopromotion gerade für kleinere Acts ist. Denn auch in Zeiten von Streaming-Plattformen und sozialen Medien bleibt Radio ein bedeutender Türöffner: Es sorgt für Sichtbarkeit, Vertrauen und Reichweite, die man als Newcomer oft nur schwer allein aufbauen kann.

Foto: Tanja Fruggel (privat)
Von der Nordseeliebe zur Berufung
Tanja stammt aus Südniedersachsen und ist leidenschaftliche Nordsee-Freundin. Dort, an der Küste, nahm alles seinen Anfang:
„Ich habe als Nordseeliebhaberin viele Künstlerinnen in Büsum kennengelernt. Durch viele intensive Gespräche bekam ich einen Einblick in die Arbeit rund um die Musik. So kam mir die Idee, meine musikalischen Lieblingsmenschen nachhaltiger zu unterstützen, als es durch normale Fanclubs möglich war.“
Dabei war ihr von Anfang an wichtig, unabhängig und eigenständig arbeiten zu können – ohne an Strukturen gebunden zu sein, die vielleicht nicht zu ihrer Haltung passen. Der zündende Funke kam dann durch ein Konzerterlebnis des Plattdeutsch singenden Künstlers Gerrit Hoss.
„Als Gerrit dann sagte: ‚Den Song könnt ihr euch im Radio wünschen‘, war der Weg zur Radiopromotion geebnet.“
Tanja blieb nicht bei der spontanen Idee stehen, sondern machte sich systematisch an die Arbeit. Sie las alles, was sie über Management, Promotion, Radiolandschaften und Künstlersupport finden konnte, und kombinierte dieses Wissen mit ihren beruflichen Fähigkeiten:
„Für den Feinschliff habe ich meinen Vorteil genutzt, als Excel-Crack eine Radiosupport-Datei aufzubauen. Mittlerweile greife ich auf ein weltweites Radiomoderatoren-Netzwerk zurück, und aus meinem kleinen Hobby ist schnell eine Berufung geworden.“
Radiopromotion – mehr als nur Songs verschicken
Radiopromotion bedeutet weit mehr, als ein paar MP3-Dateien zu verteilen. Tanja versteht ihre Aufgabe als verlässliche Begleitung – vom ersten Kontakt mit einem Sender bis hin zu Interviews, Votings und Airplay-Charts.
„Ich bin Radiopromoterin mit viel Leidenschaft, Engagement und Haltung. Wenn ich hinter einem Projekt stehe, können sich die Künstlerinnen zu 100 Prozent auf mich verlassen.“
Deshalb legt sie großen Wert auf Vertrauen und gegenseitige Wertschätzung:
„Besonders wichtig bei der Zusammenarbeit sind Verlässlichkeit sowie ein gutes Miteinander. Nichts ist selbstverständlich, aber jeder gemeinsame Schritt ist der Wegbereiter zum Erfolg – scherzhaft sage ich immer: Radioweltherrschaft.“
Wir haben Tanja gebeten, ihre Aufgaben, Erfahrungen und Prioritäten genauer zu schildern:
Was sind deine typischen Aufgaben als Radiopromoterin?
„Ich erstelle Promotionspakete nach den Radiostatuten und kümmere mich um die rechtlichen Aspekte. Ich versende Radiobemusterungen weltweit oder lade sie hoch, gerade wenn sie nicht im MPN Network* verfügbar sind. Außerdem bringe ich kleinen und mittleren Künstlerinnen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk näher – und auch die ‚Minderheitensprache‘ Plattdeutsch liegt mir sehr am Herzen. Ich stelle Kontakte für Interviews oder andere Promo-Möglichkeiten her, pflege mein Netzwerk zu Musikredakteurinnen, Moderatoren und Veranstaltern, beobachte Votings und Wunschsendungen, gebe Interviews und verfasse manchmal Pressetexte.“
Welche Erfahrungen hast du gemacht – gute und schlechte?
„Besonders schöne Momente sind, wenn Songs in öffentlich-rechtlichen Sendern laufen und daraus Airplay-Charts oder tolle Votings entstehen – da hüpft mein Herz. Die Netzwerke zu Online-Radiostationen mit viel Sendeplatz sind für mich ein großer Gewinn. Sie sind Sprachrohr und Sichtbarkeit für alle Newcomerinnen. Ich habe mir auf die Fahne geschrieben: Radio ist für alle da! Weniger schön ist es, wenn Künstlerinnen nur nach Klickzahlen oder Followern beurteilt werden und der Weg ins Radio dadurch unnötig erschwert wird.“
Was ist dir bei der Auswahl der Künstler*innen wichtig?
„Mir ist wichtig, dass die Künstlerinnen auch hinter meiner Arbeit stehen. Nur so kann man partnerschaftlich zusammenarbeiten. Leidenschaft, Respekt und ein gutes Miteinander sind für mich die Grundlage.“
Warum Radiopromotion so wichtig ist
Gerade für kleinere Acts ist Radiopromotion ein entscheidender Faktor. Während Streaming-Dienste oft nur kurzfristige Aufmerksamkeit bringen, verschafft Radio langfristige Präsenz: Hörer*innen begegnen Songs wiederholt, Moderatoren erzählen Geschichten dazu, und Künstler*innen gewinnen an Profil.
Doch der Zugang zu Sendern ist nicht einfach. Wer keinen großen Verlag oder kein Management im Rücken hat, ist oft auf sich gestellt. Hier beginnt die Arbeit von Menschen wie Tanja Fruggel – und genau deshalb ist ihr ehrenamtlicher Einsatz von unschätzbarem Wert.
Was Tanja tut, ist also viel mehr als ein Hobby. Es ist ein unverzichtbarer Beitrag zu einer vielfältigen Musiklandschaft, in der auch kleine Stimmen gehört werden. Mit Fachwissen, Engagement und Herzenswärme schafft sie Möglichkeiten, die viele ohne Unterstützung niemals hätten.
*MPN Network:
Das MPN Network ist ein Online-Dienst, über den Musik gezielt an Radioredaktionen, Musikjournalistinnen und Medien verteilt wird. Labels, Promoterinnen oder Künstler*innen stellen ihre Songs dort digital bereit, damit Sender sie einfach anhören, herunterladen und in ihre Programme aufnehmen können. Man kann es sich wie eine professionelle Musik-Bibliothek vorstellen, die Radios und Medien weltweit nutzen.


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