Der ein oder andere Künstler/in erstellt immer noch am liebsten seine Cover für die aktuelle Single selbst, anstatt einen Profi mit der Gestaltung zu beauftragen. Meistens kommt dabei aber leider nur Mist raus. Das muss man echt sagen. Selbst wenn man mit Programmen wie Canva schon recht brauchbare Ergebnisse hinbekommt, so sollte man schon die Grundregeln des Bildaufbaus kennen und beachten.
Der größte Fehler den man machen kann ist, das falsche Bild hochzuladen. Man braucht Fotos mit neutralem Hintergrund, um sein Logo und den Titel gut platzieren zu können. Meistens nutzt man Bilder eines Hochzeitsfotografen, der das Bild sehr eng zugeschnitten hat. Ohne etwas Freifläche muss man die Texte notgedrungen so platzieren, dass man nur noch wenig vom Künstler/in sieht.
Zudem ist es wichtig, dass man in das Bild hineinschaut. Am besten von links nach rechts. Das ist die natürliche Blickrichtung. Auf den meisten Fotos schauen die Künstler/innen aus dem Bild heraus oder nach oben als hätten sie ein Flugzeug gesehen. Schaut man nach oben wirkt man verträumt. Schaut man nach unten wirkt man traurig. Also am besten gerade schauen. 
Sehr oft wird bei der Bildgestaltung auch zu viel Platz verschenkt und nicht auf die Größenverhältnisse geachtet. Im Fokus steht halt der Künstler/in. Er oder sie muss klar zu erkennen sein. Am besten nutzt man Halbportraits und schneidet sie so zu, dass sie die Hälfte des Bildes einnehmen. So kommt der Künstler/in super zur Geltung und hat rechts noch genügend Platz für das Logo und den Titel.
Jedes noch so tolle Bild bringt allerdings nichts, wenn die Texte aus drei Farben und drei Schriftarten bestehen. Farben und Schriftarten müssen harmonieren. Bei Canva findet man sehr gute Beispiele welche Schriftarten zueinander passen. Damit die Farbe zum Bild passt kann man mit dem Pipetten-Tool eine Farbe aus dem Bild auswählen und diese dann für die Texte benutzen. Das wirkt besser als wenn man mit roter Farbe einen Text in ARIAL einfügt.
Ein neuer Trend ist auch Bilder mit einer KI zu generieren und daraus ein Cover zu gestalten. Das kann sehr gut funktionieren aber auch voll in die Hose gehen. Manche KI-generierten Bilder sehen auf dem ersten Blick super aus. Schaut man sie sich dann aber etwa genauer an, hat die Top-Künstlerin auf einmal einen Silberblick, den sie vorher noch nicht hatte. Auch werden manche Originalfotos so stark verfremdet, das man nur noch schemenhaft erkennt, wer ursprünglich auf dem Foto war. Auf manchen KI-Fotos sieht man 25 Jahre jünger aus. Das ist einerseits schön wirkt aber eher peinlich. Hinzukommt das sich bei KI-Fotos die Geister scheiden. Derzeit wird man damit überflutet und sie nerven meist nur noch. Die KI-Fotos müssen echt schon top sein, damit man sie einsetzen kann.
Am besten ist es meiner Meinung nach immer noch, ein gutes Foto von einem professionellen Fotografen/in schießen zu lassen und dann die Covergestaltung einem Grafiker/in überlassen. Die rund 70-80€ für die Gestaltung sollte man schon haben. Man gibt so viel Geld für die Produktion aus spart dann aber am falschen Ende. Das Cover ist halt das, was man als Erstes sieht. Damit hinterlässt man einen ersten Eindruck.
Auch wenn ich mir mit meiner nächsten Aussage bestimmt keine Freunde mache aber aus DJ-Sicht sind rund 80% der Cover leider Mist. In der Bemusterung wo wöchentlich rund 30 neue Cover zu sehen sind, hört man sich meist nur die Songs an, wo das Cover auch ansprechend ist. Alle anderen fallen durch das Raster. Die erste Vorauswahl trifft halt das Auge. Das geht auch nicht nur mir so sondern auch viele andere DJ-Kollegen lassen sich vom Cover beeinflussen. Das Auge ist halt mit. Wie soll auch der Song sein, wenn für das Cover ein unscharfes Handyfoto verwendet wurde und die Texte aus drei knalligen Farben bestehen. Das sieht nach Kirmes aus und ist weit weg von Professionalität. Ich kann mir vorstellen dass diese Aussage einem weh tut, aber so denken Viele nur sagt es meist niemand. Daher braucht man sich dann auch nicht zu wundern, dass manche Songs nie angehört werden und keine Chance bekommen. Das ist dann echt schade.
von Jörg Backhaus


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